Aus der Geschichte der Kipfenberger Stromversorgung


 

Die Übergabestation am Lederpeter. (Foto E. Ettle)


 

Ende des 19. Jahrhunderts befasste sich der Gemeinderat Kipfenberg erstmals mit dem Anschluss des Marktes an das Stromnetz. Aus dem Jahr 1898 sind im Gemeindearchiv Dokumente über den Beginn der „Elektrizitätsgeschichte“ Kipfenbergs erhalten. Ein Kosten-Anschlag über eine elektrische Zentrale der Gemeinde Kipfenberg der Firma Siemens & Halske kam auf 20 000 Mark. Das war damals viel Geld. Die Anlage sollte aus einer dampfbetriebenen „Hochdruck-Expansions Lokomobile“, einer „Gleichstrom-Dynamomaschine“ mit einer Leistung von 1100 Watt, und einer „Accumulatoren-Batterie“ bestehen. Obwohl sich fast fünfzig Bürger für einen Hausanschluss interessierten, verlief das Unternehmen im Sande.

Zehn Jahre später stand das Projekt „Elektrisches Licht“ wieder auf der Tagesordnung des Marktgemeinderates. Eine völlig neue Situation war eingetreten. Der Fabrikant E. W. Müller aus Thüringen errichtete 1909 in Grösdorf eine Holzwollefabrik, betrieben von einem kleinen Elektrizitätswerk. Müller bot dem Bürgermeister an, den Nachbarort Kipfenberg mit Strom zu versorgen.Aber die Stromversorgung scheiterte an den hohen Kosten.Die Gemeinde verhandelte in den folgenden Jahren mit den Siemens Schuckert-Werken und schloss im Oktober 1911 mit dem Fränkischen Überlandwerk einen vorläufigen Stromlieferungsvertrag, den der neue Bürgermeister Rupert Appelsmayer aber 1921 kündigte. 

Das Kapitel „Stromversorgung“ hatte nämlich eine unerwartete Wende genommen. Der Unternehmer August Mayr baute 1921 in Kipfenberg ein Sägewerk und bot der Marktgemeinde die Stromlieferung an. Die elektrische Energie gewann Mayr durch eine Dampfturbine, die auch die Sägegatter in Betrieb setzte. Als im August 1921 das 40. Gründungsfest des Männergesangvereins Liederkranz gefeiert wurde, beleuchtete Mayr durch eine Leitung vom Sägewerk aus den Festplatz mit elektrischem Licht. Die Wirkung der Illumination auf Bevölkerung und Gemeindeverwaltung muss beeindruckend gewesen sein, denn noch im selben Monat wurde mit Mayr ein Stromlieferungsvertrag geschlossen.Fehlte nur noch das Stromnetz. Das Ortsnetz für elektrische Licht und Kraft der Gemeinde Kipfenberg (Gleichstrom) wurde von der Firma Hölig und Dr. v. Pigenot, Nürnberg für 158.000 Mark erbaut und am 30. November 1921 übergeben. 1921 kann man demnach als Geburtsjahr einer funktionierenden Stromversorgung in Kipfenberg bezeichnen. 

Als im Sommer 1922 im Sägewerk ein Brand ausbrach, wurde die elektrische Anlage schwer beschädigt, so dass Kipfenberg längere Zeit ohne elektrischen Strom war. August Mayr erholte sich von dem schweren Schlag nicht mehr und musste Insolvenz anmelden. Das „Stromabenteuer“ August Mayr war beendet,Kipfenberg schloss sich nun im Jahr 1924 dem Fränkischen Überlandwerk an. Die Fernleitung kostete 9050 Mark. Der Umbau des Ortsnetzes von Gleichstrom in Wechselstrom wurde der Firma Siemens-Schuckert in Nürnberg übertragen und kostete mit Transformatorenstation rund 26.000 Mark. Zum ersten Male wurde der Strom am 30. Dezember 1924 eingeschaltet.In der Folge öffneten in Kipfenberg die ersten Elektrogeschäfte. Karl Fersch machte 1927 in der Haderstraße einen Installationsbetrieb auf, Karl Werler verkaufte in seiner Eisenhandlung Elektromotoren, seit 1934 führten Richard Hartmann und seit 1935 Johann Zillinger kleine Elektrogeschäfte. Die Installateure montierten nun auch Steckdosen; freilich war das Angebot an Haushaltsgeräten noch sehr dürftig, aber die fortschrittlichen Hausfrauen wollten zumindest ein elektrisches Bügeleisen besitzen. 

1959 stand eine große Sanierung des Ortsnetzes an, das Netz aus dem Jahr 1924 war völlig veraltet. Die Maßnahme verschlang etwa 300 000 DM. 

Wie steht es heute in Kipfenberg mit dem Strombezug? Woher kommt die elektrische Energie, wenn man den Lichtschalter anknipst? Die Gemeinde bezieht für den Ortsteil „Kipfenberg Markt“ seit 1998 den Strom von der KFE, der Kooperationsgesellschaft Fränkischer Elektrizitätswerke. Kipfenberg ist Mitgesellschafter dieser Stromeinkaufsgesellschaft von 37 Kommunen. Der Verbund nutzt die Vorteile des gemeinsamen Einkaufs. Die Aufgabe des Geschäftsführers in Eichstätt ist es, an der Strombörse möglichst günstig Strom von den verschiedenen Anbietern zu kaufen.Über eine 20-KV-Leitung (20 000 Volt) gelangt der Strom zur 1981 gebauten Übergabestation am Lederpeter unweit der Brücke, und von da zu den im Ort verteilten zwölf Transformatoren, welche den Strom auf 400 Volt herunter transformieren. Von den Transformatoren wird die Energie auf insgesamt 51 Kabelkästen verteilt, an welche die in der Nähe gelegenen Gebäude angeschlossen sind. 

Der Stromverbrauch in Kipfenberg liegt bei etwa 8500 Megawatt im Jahr (Stand 2009), der Spitzenwert an einem Tag (15. Dezember 2009) betrug 1,46 Megawatt. Die Kommune verkauft den Strom mit Gewinn weiter an die Hausbesitzer. Der Konsument ist aber im Sinne des Umweltschutzes zum konsequenten Sparen angehalten.


 

Dr. Elmar Ettle